LEAK-Forderungspapier

Wir Eltern fordern deutliche Verbesserungen in Kita und Kindertagespflege, damit unsere Kleinen auch in Zukunft bestens betreut sind. In Berlin sind laut Statistischem Bundesamt zum 01.03.2013 ca. 44 Prozent der unter 3jährigen und ca. 94 Prozent der 3-6jährigen in einer Kindertageseinrichtung betreut. Wir begrüßen, dass es in den vergangenen Jahren mehr Kinder in unseren Einrichtungen geworden sind und wollen erreichen, dass alle Eltern, die einen Kita-Gutschein einlösen wollen, dies auch können. Um aber weiter unter Eltern für Kitas zu werben oder gar 100 Prozent der Eltern mit kleinen Kindern erreichen zu können, müssen unsere Kitas besser werden. Vor allem besser ausgestattet werden.

Das Berliner Bildungsprogramm bietet einen verbindlichen, wissenschaftlich begründeten und fachlich erprobten Orientierungsrahmen für die Arbeit aller Berliner Kindertageseinrichtungen. Es beschreibt die Rahmenbedingungen und Grundlagen, um die Entwicklung eines Kindes zu begleiten, mit welchen Inhalten es bekannt gemacht werden soll und wie es entsprechend seines Entwicklungsstandes und seiner Neigungen gefördert werden kann. Es beschreibt leider nicht, welche Ressourcen dazu mindestens benötigt werden. Während das Programm immer besser wird, beobachten wir Eltern mit Sorge, dass die eingesetzten Ressourcen nicht mithalten.

Die Berliner Bildungslandschaft ist vielfältig und vielseitig. Unsere Kinder werden Tag für Tag liebevoll betreut. Erzieher_innen leisten Großes für unsere Kleinsten. Aber so sehr sich die Fachkräfte auch aufreiben, sie werden die fehlenden Ressourcen nicht durch mehr Anstrengung ersetzen können. Wir brauchen nach dem quantitativen Ausbau endlich einen qualitativen Aufbau.

Bildungsforscher empfehlen für den U3-Bereich eine Fachkraft-Kind-Relation von 1 zu 3. Berlin ist nicht nur von dieser Empfehlung weit entfernt, sondern auch vom Standard anderer Bundesländer (Vgl. Ländermonitor frühkindliche Bildung der Bertelsmann-Stiftung, Juli 2014).

Wir können bisher nur einmal im Jahr (15. März) Rückschlüsse auf die tatsächliche Fachkraft-Kind-Relation ziehen. Daher wissen wir nicht, ob die gesetzlich festgelegte Personalausstattung vieler Berliner Kitas nicht nur zu den bekannten Urlaubs- und Krankheitszeiten, sondern nicht auch strukturell unterschritten wird. Besonders dramatisch ist, dass Kitas Meldepflichten, die solche Unterschreitungen sichtbar machen würden, nicht einhalten und dies anscheinend auch oft ohne Konsequenzen bleibt.

Die Berechnung des Personalschlüssels ist eine komplizierte Sache. Die Überprüfung fällt schwer. Eine Einhaltung der Anforderungen ist somit kaum nachvollziehbar.

 

Der LEAK fordert:

Bessere Personalausstattung: Urlaub und Krankheit sollen nicht länger den Kitaalltag der Kinder bzw. Arbeitsalltag der Fachkräfte bestimmen. Das Fachkraft-Kind-Verhältnis soll an jedem Tag des Jahres Anwendung finden. Wir fordern daher einen Personalschlüssel, der die durchschnittlichen Krankheitstage der Fachkräfte ebenso aus den Berechnungen herausnimmt wie den Urlaubsanspruch nach Bundesurlaubsgesetz.

Bessere Kontrolle: Wir brauchen mehr Verbindlichkeit bei der Einhaltung der Qualität in unseren Einrichtungen. Wir fordern, dass die Meldepflichten eingehalten werden. Wir setzen uns dafür ein, dass das pädagogische Personal einer Kita jeden Monat erfasst wird und Abweichungen, die länger als vier Wochen andauern, geheilt werden. Dazu veranlasst die Aufsichtsbehörde die Erarbeitung eines Fahrplans, der im Kitaausschuss vorgestellt wird. Mittelfristig wollen wir eine Melde-/Schlichtungsstelle eingerichtet wissen, die für alle Eltern berlinweit erreichbar ist.

Mehr Erkenntnisse: Wir fordern eine landesweite Erhebung der Ausfall- und Abwesenheitszeiten (Fortbildung, Krankheit und Urlaub) und der Zeiten für die mittelbare pädagogische Arbeit durch Externe. Wir wollen ein Bild von der tatsächlichen Arbeitsbelastung der Berliner Erzieherinnen und Erzieher erhalten, um daraus Konsequenzen ziehen zu können. Konsequenzen, die unseren Erzieherinnen und Erziehern helfen, ihren Arbeitsalltag bewältigen zu können.

Mehr Anerkennung: Wir fordern vom Land Berlin weitere Anstrengungen zur Beseitigung des Fachkräftemangels. Dazu zählen wir vor allem eine spürbar bessere Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher, eine bessere Berücksichtigung der Arbeitsbelastungen, die neben der eigentlichen Gruppenarbeit stattfinden (mittelbare pädagogische Arbeit) und die Schaffung von mehr Aufstiegschancen und Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Berufsfeldes. Aber auch mehr Investitionen und Bemühungen, um den Gesundheitsschutz der Fachkräfte zu verbessern, gehören dazu.

Mehr Transparenz: Wir fordern eine Offenlegung des Personalschlüssels. Kita-Leitungen sollen gegenüber der Elternvertretung jeweils zur ersten Sitzung des Elternausschusses den Personaleinsatz in ihrer Kita erläutern, damit Eltern Abweichungen erkennen können.

Mehr Männer: Wir regen eine Werbeoffensive für den Beruf des Erziehers an, um insbesondere mehr Männer für den Erzieherberuf zu interessieren. Hamburg konnte so den Anteil der Erzieher deutlich erhöhen. Andere Stadtstaaten – wie Berlin – sollten dies nachahmen.

Mehr Vielfalt: Um der Realität unserer Kitas gerecht zu werden, muss sich die kulturelle Vielfalt auch bei den Erzieherinnen und Erziehern widerspiegeln. Zusätzlich soll die Anerkennung ausländischer Abschlüsse verbessert und vereinfacht werden.

Mehr Kind: Wir fordern die Abschaffung des Eigenanteils der Träger. Wir wollen, dass unsere Kinder zu 100 Prozent gesehen werden und nicht länger nur 93 Prozent der Kostenblattpauschalen den Trägern erstattet werden.

Mehr Bildung: Das Gutschein-System hat sich grundsätzlich bewährt, auch wenn Eltern aufgrund des Platzmangels von ihrem Wunsch- und Wahlrecht keinen Gebrauch machen können und in begehrten Lagen froh sind, überhaupt einen Platz zu bekommen. Das Gutschein-System sollte modifiziert werden. Gutscheine ohne Prüfung sollten mit einem Mindestvolumen von 6 Stunden ausgegeben werden.

Mehr Kita-Räume: Damit Kita-Räume auch in attraktiven Wohngegenden eröffnet werden können, müssen die unterschiedlichen Mietkosten stärker berücksichtigt werden. Wir suchen nach einer Anerkennung der tatsächlichen Preise bei der Kostenerstattung.

Mehr Organisation: Die Anforderungen an die Organisation einer Kita sind gewachsen. Eltern wollen ihre Gutscheine einlösen und besichtigen Kitas, Vertragsgespräche müssen geführt und die Weiterbildung des Teams organisiert werden. Das Berliner Bildungsprogramm ist in seiner neuen Auflage noch präziser in den Formulierungen. Eine gute Umsetzung dieser Anforderungen ist mit der derzeitigen Ressourcenausstattung nicht möglich. Daher fordern wir eine volle Freistellung der Leitungen ab einer Einrichtungsgröße von 60 Kindern und eine entsprechende Anpassung der anteiligen Freistellungen.

LEAK-Forderungspapier als PDF zum Herunterladen

LEAK-Forderungspapier Kurzfassung als Kita-Aushang

5 Antworten auf LEAK-Forderungspapier

  • Ich begrüße das es mehr Personal für Kitas,Kinderläden geben soll.Jedoch sehe ich die Kontrolle der Anwesenheit der Erzieher ( Krankheit ) als massive Verletzung des Datenschutzes an.Meine Tochter geht auch in die Kita und ich bin bereit für den Platz wieder zu Bezahlen , bevor der Platz kostenlos war, gab es auch mehr Personal.

    • Inwiefern sehen Sie Probleme mit dem Datenschutz? Die Abfrage zur Anwesenheit von Erzieher_innen wird bereits einmal pro Jahr durchgeführt. Es soll ja nicht die persönliche Anwesenheit einzelner Erzieher_innen erfasst werden, sondern die Gesamtheit des Teams, damit jederzeit klar ist, ob der Personalschlüssel eingehalten wird. Die Kinder werden ja täglich erfasst. Hierzu gibt es auch keine Datenschutzbedenken, obwohl auch erfasst wird, ob die Kinder krank oder im Urlaub sind oder aus anderen Gründen fehlen.

    • Für meinen großen Sohn habe ich bis auf das letzte Kitajahr noch bezahlt und ich kann mich erinnern, dass sich die meisten Konflikte zwischen Eltern und Kita um die Personalsituation drehten. Und seitens der KItaleitung wurde immer wieder auf den Personalschlüssel des Senats verwiesen…

  • Kranke Kinder gehören nicht in die Kita. Die kita ist eine Bildungseinrichtung und keine Pflegestation.

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